Otto Frölicher (Zuschreibung)

In den Alpen / Studie

Öl auf Leinwand, ohne Signatur.
Auf Holzrahmen – aber kein Keilrahmen.

30 × 48 cm. – Ungerahmt.
Das Gemaelde mit durchgängiger, feiner Krakelee,
dennoch guter Gesamteindruck

Vita : “Frölicher, Otto, schweizer Maler, Zeichner, *5.6.1840 Solothurn, †2.11.1890 München. Sohn des Juristen Josef F. Kindheit in Breitenbach, Obergösgen, Olten und ab 1849 in Solothurn nach der Wahl seines Vaters in den dortigen Reg.Rat. Früh zeigte sich F.s Zeichentalent, das die kunstsinnigen Eltern und sein Zeichenlehrer am Solothurner Gymnasium, Gaudenz Taverna, förderten. Beide waren 1850 Gründungs-Mitglied des Kunstvereins Solothurn, F. wurde schon 1864 Ehrenmitglied. Zeitig geknüpfte (und später durch Briefverkehr und Heimatbesuche unterhaltene) freundschaftl. Beziehungen zu Persönlichkeiten in Solothurn und Olten sicherten F. zeitlebens zumindest ein bescheidenes Einkommen. Taverna vermittelte ihm eine solide Ausb. nach klass. Muster. 1859 zog er in die dt. Kunstmetropole München und wurde Schüler des “dt. Calame” gen. Schweizer LandschaftsMalers Johann Gottfried Steffan, der als Inbegriff bildhafter Verherrlichung der Naturschönheiten der Schweiz, v.a. der Hochalpenwelt, galt. 1860-63 arbeitete F. unter Leitung von Steffan, im Sommer meist im Freien auf ausgedehnten Studienreisen durch Oberbayern, in der Gegend von Brannenburg, in Rosenheim, an Chiemsee, Ammersee und Starnberger See sowie in der Schweiz am Genfer See und im Wallis. Im Winter verarbeitete er zeitlebens die Studien des Sommers im Atelier. Das Atelier bei Steffan (wo zu Beginn auch der bewunderte Arnold Böcklin arbeitete) teilte F. mit Traugott Schieß. Daneben besuchte er im Winter die Münchner Akad., wo er bei Philipp von Foltz eingeschrieben war. Die Gem. dieser Zeit zeichnen sich durch strenge Beachtung althergebrachter Komp.Regeln und genaue Detailwiedergabe aus. Doch schon hier zeigt sich F.s Tendenz zum unspektakulären Lsch.-Ausschnitt, wenngleich eine biedermeierl.-idyllische Grundstimmung überwiegt. Wohl auch um vom künstler. Einfluß von Steffan etwas Abstand zu gewinnen (zu dem er dennoch die Verbindung hielt), ging F. im Herbst 1863 zur Weiterbildung nach Düsseldorf. Sein Ziel war nun, “feine Naturwahrheiten und Erscheinungen eines ungestörten und sich selbst überlassenen Lebensprozesses der Natur” mit dem Pinsel festzuhalten; die eigtl. von ihm nicht gewollten Darst. der Alpen und des Vierwaldstätter Sees zu malen, blieb ihm später aus finanziellen Gründen dennoch nicht erspart. In den folgenden Jahren verlor das Motiv nach und nach an Bedeutung zugunsten des Stimmungsgehalts, des Heraufbeschwörens der einer bestimmten Landschaft innewohnenden Atmosphäre. In Düsseldorf Mitgl. der Künstler-Vereinigung Malkasten. Außerdem verkehrte F. mit den Brüdern Oswald und Andreas Achenbach, denen er großen Respekt entgegenbrachte. F. teilte zeitweilig das Atelier mit dem Landschafts-Maler Philipp Röth, mit dem er in den 70er Jahren häufig Studienreisen zu den oberbayerischen Malerkolonien unternahm. Im Sommer 1865 beorderte der Vater F. nach Solothurn zurück, wo er sich um Aufträge kümmern (ein nennenswerter Kunstmarkt existierte nicht) und selbst Geld verdienen sollte. So malte er in den folgenden Sommern im Berner Oberland und am Vierwaldstätter See nach dem Geschmack des Publikums. Da er nun aber seine in Düsseldorf ausgereifte Stimmungsmalerei auch bei der Darst. des Schweizer Hochgebirges anwandte, entstanden ganz eigentüml. Bildschöpfungen, welche weder mit den damals beliebten Gem. romant. sturmgepeitschter Gipfel noch mit den gefälligen Alpenrosenidyllen etwas gemeinsam hatten. Die meist in tonig trüben Farben gehaltenen Hochalpenbilder sind vielmehr Schilderungen eines allg. Verlassenseins und gleichsam Urbilder einer einsamen und melanchol. Seele. Abgeschnitten von den neueren Entwicklungen in der Kunst, zudem die Kollegen, Mus. und Kunst-Ausst. schmerzlich vermissend, kehrte F. im Herbst 1868 zurück in seine künstler. Wahlheimat München. Dort traf er bald den Lsch.-Maler Adolf Stäbli aus Brugg, mit dem ihn bis zum Tod eine enge Freundschaft verband. 1870 zog Hans Thoma nach München, für Stäbli und F. eine bereichernde Bezugsperson. Gleichzeitig begann auch die wichtige Freundschaft mit dem Kunsthistoriker Adolph Bayersdorfer. F. verkehrte in der Künstlergruppe Kassandra, der Künstler-Ges. Allotria und besonders gern am Künstlerstammtisch in der Veltlinerhalle. Außerdem hielt er sich im Kreis von Adolf Heinrich Lier auf, der in München als Hauptvertreter der in den 1860er Jahren aufgekommenen pleinairist. Stimmungs-Lsch., des “paysage intime”, galt. Vom Char. her eher zu grübler. Schwermut und Selbstkritik neigend, war F. bei Kollegen wegen seiner Aufrichtigkeit, Zuverlässigkeit und des künstler. Urteilsvermögens sehr beliebt. Später war er im Vorstand der Münchner Künstlergenossenschaft, mehrfach Jury-Mitgl. der Ausst. im Glas-Pal. und jahrelang Präs. des schweizer. Unterstützungsvereins in München. Wichtig für F.s künstler. Entwicklung war die erste internat. Kunst-Ausst. im Glas-Pal., wo die vielbeachteten Barbizon-Maler auch bei ihm Bewunderung hervorriefen. Darüber hinaus fühlte er sich zutiefst angesprochen von der holl. Lsch.-Darst. des 17.Jh., die er im selben Jahr in der Ausst. alter Meister aus Priv.-Bes. in den Propyläen eingehend studierte. Der trad. Malerei sehr eng verbunden, suchte er fortan das Erbe der Holländer mit den Neuerungen der Ecole de Barbizon zu verbinden. F.s Bilder sind weiterhin kompositor. ausgewogen und gepflegt gemalt. Das breite Publikum begeisterte sich nicht für diese innerl., vom Bildmotiv her wenig spektakuläre Kunst, weshalb F. immer wieder Geldsorgen hatte. Er hielt aber daran fest, er “habe überhaupt mehr Lust, aus wenigem viel, als aus vielem wenig zu machen”, und bezeichnete seine Malerei selbst als “poet. Realismus”. Er nahm nur wenige Schüler an, z.B. Hermann Hunziker, Otto Gampert, Robert Weber und Benno Becker. Bes. angetan hatten es ihm die großartigen Wolkenformationen der bayer. Hochebene, die er so meisterhaft darstellte, daß seine Kollegen ihn den “Himmel-Frölicher” nannten. Da F.s Lsch.-Auffassung stark von der Schule von Barbizon beeinflußt war, reiste er im Okt. 1876 mit einem Empfehlungsschreiben von Lier an Jules Dupré nach Paris. Das hektische Treiben und die sozialen Auswüchse der Weltstadt setzten ihm jedoch zu, Einsamkeit und Liebeskummer lähmten ihn. Zudem erkannte er, daß er zu spät nach Frankreich gekommen war, da die großen Barbizon-Maler alt oder bereits tot waren. Er besuchte zahlr. Ausst., u.a. den Salon 1877 und die Gedenk-Ausst. für Narcisse Virgilio Diaz de la Peña, scheint aber vom Impressionismus keine Notiz genommen zu haben. Seine Schaffenskraft kehrte erst im Sommer 1877 zurück in den Wäldern von Fontainebleau, b. Barbizon und Chailly. Im Herbst 1877 reiste er über Solothurn nach München zurück, wo er sich endgültig niederließ. Mit 39 Jahren erkrankte er an Diphterie, deren Nachwirkungen zus. mit einer erst postum diagnostizierten Krebserkrankung ihm die restl. elf Lebensjahre manchmal zur Qual werden ließen. Rheumatismen, Venenentzündungen, Kopfschmerzen, regelmäßige Grippeanfälle sowie allg. Schwächeperioden erschwerten ihm die Arbeit und verstärkten seinen Hang zur Schwermut. Wohl kaum zufällig erscheinen in seinem Werk nun bemerkenswert viele Abend und Mondstimmungen. Die einzige größere Ortsveränderung in den späteren Jahren war (neben alljährl. Besuchen bei der Fam. und Freunden in der Schweiz sowie den sommerl. Studienreisen in die nähere oder weitere Umgebung von München) im Juli 1882 zus. mit Stäbli eine Reise in den Harz, von wo er eindrucksvolle Bilder verlassener Einöden mitbrachte. – Neben letzterem gilt F. als herausragender Vertreter einer Deutschschweizer Ausprägung des “paysage intime”. Während der welsche “paysage intime”, etwa eines Barthélémy Menn, gewöhnl. der heiteren Lsch. gerade ihrer Lichtphänomene wegen den Vorzug gab, blieben die Lsch. der Deutschschweizer eher düster. Ähnlich den Romantikern sollte für sie das Lsch.-Bild gleichsam Echo einer inneren Seelen-Lsch. sein. Als gemäßigter Neuerer hatte F. einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der Gewöhnung des heimatl. Kunstpublikums an mod. Malerei, u.a. durch Reprod. seiner Werke in Publ. wie H.A. Berlepsch, Rhododendron. Bilder aus den Schweizer Alpen, M./B. 1874 (acht Darst. von Gustav Paul Closs, 16 von F.); id., Villeggiatura. Bilder aus den Schweizerbergen (auch mit Closs; zwölf Abb. mit erläuterndem Text von Berlepsch), M. 1882 (weitere Beispiele cf. Brun, 1905).
WERKE Hw., alle Öl/Lw.: ST.GALLEN, KM: Dorfpartie in Niederbayern, 1880. SOLOTHURN, KM: Schmadribach, 1881; Aufziehendes Gewitter an der Ammer, 1889; Frühjahr bei München, 1890 (zudem der gesamte künstler. Nachlaß mit mehreren Tausend Zchngn und Ölstudien sowie 43 Skizzenbüchern). ZÜRICH, Kunsthaus: Bei Barbizon, 1882. – Weitere Werke: AARAU, Aargauer Kunsthaus, Hermann Hunziker Arch. BASEL, KM. BERN, KM. BIBERACH an der Riß, Braith-Mali-Mus. LUZERN, KM. MÜNCHEN, NP. OLTEN KM. WINTERTHUR, KM. – Stiftung O.Reinhart.
AUSSTELLUNGEN E: 1891 München, KV; Bern; Basel / Solothurn: 1891; 1940 KM (Gedächtnis-Ausst. mit Frank Buchser; K: G.Jedlicka u.a.); 1990 ebd. (Ausst. zum 100.Todestag; K) / 1892 Zürich; Winterthur; St. Gallen. – G: 1861-68, ’70-90: Ausst. des Schweiz. KV / 1865, ’68, ’81 Dresden: Akad. Kunst-Ausst. / München: regelmäßig KV; 1869, ’79, ’88 Glas-Pal.: Internat. Kunst-Ausst. / 1873 Wien: WA / 1875 Basel, KH: Ausst. von Gem. aus Priv.-Bes. zu Ehren des Schweiz. KV-Festes / 1877, ’78 Paris, Salon de la Soc. nat. des BA / 1880 Bremen; Hannover / Solothurn: 1887 Städt. Turnhalle vor dem Baselthore: Kunst-Ausst. von Gem. und Skulpt. aus Priv.-Bes.; 1950 Mus. der Stadt: Hundert Jahre Malerei aus Solothurner Priv.-Besitz. Ausst. zur Hundertjahrfeier des Solothurner KV / 1890 Bern, KM: Nat. Kunst-Ausst. / 1998 Zürich, Kunsthaus: Von Anker bis Zünd. Die Kunst im jungen Bundesstaat 1848-1900 (Wander-Ausst.; K: C.Klemm) / 2005 Seedamm, Kulturzentrum Pfäffikon: Grüner Heinrich. Lebensläufe zw. Scheitern und Erfolg. Johann Gottfried Steffan und die Schweizer Maler in München 1840 bis 1890 (K: A.Scherrer).
BIBLIOGRAPHIE ThB12, 1916 (Lit.). Brun, SKL I, 1905 (ausführl. Bibliogr.); Münchner Maler I, 1981; KVS, 1991; Dt. biogr. Enz., III, M. u.a. 1996; Lex. der Düsseldorfer Malerschule, I, M. 1997; BLSK I, 1998; Bénézit V, 1999; Schweers I, 2002; DA XI, 1996. – Kat. der Oel-Gem. etc. aus dem Nachlasse von F. in Solothurn, 1891; H.Uhde-Bernays, O.F. Sein Leben und Werk, Basel 1922; V.Huber, Die Entwicklung des Paysage intime in der schweiz. Lsch.-Malerei des 19.Jh., Z. 1946; G.Wälchli, in: Festschr. Dr. Hugo Dietschi, Olten 1949, 25-31; id., O.F. 1840-1890, Solothurn 1950 (bibliogr. Angaben in den Anm.); E.Gregori-Jenny, O.F. 1840-1890. Die Skizzenbücher aus dem F.-Nachlaß im Mus. der Stadt Solothurn, Lizentiat Univ. Bern 1976 (Typoskript); R.Hohl-Schild, O.F. Ein Schweizer Maler des 19.Jh. auf der Suche nach seiner Lsch., Lizentiat Univ. Zürich 1987 (Bibliogr.; Typoskript); ead., O.F. und Lsch.-Maler seiner Zeit (K KM), Solothurn 1990 (bibliogr. Angaben in den Fußnoten zum Haupttext); ead., Solothurner Kalender 1990, 62-72; W.G. Well, Amperland 26:1990(3)485-490; B.Schroyen (Bearb.), Quellen zur Gesch. des Künstler-Ver. Malkasten, Köln 1992. – Aarau, Aargauer Kunsthaus, Hermann-Hunziker-Arch.: Korr. / Düsseldorf, Künstler-Ver. Malkasten / Olten, KM: Korr. / Solothurn, KM: Korr.”

Roswitha Schild, in : AKL (Allgemeines Künstler-Lexikon, Saur Verlag), XLV, 2005, 373. – Schreibweise des Namens “Otto Froelicher”, nicht wie häufig irrtümlich : “Otto Fröhlicher”.

650 EUR