Hans Gassebner (1902 - 1966) : Ährenleserinnen

Die Ährenleserinnen

Öl auf starker Pappe, unten rechts monogrammiert: “H G”.
Um 1940. – Zeitgenössisch in breiter Leiste gerahmt.

Bildformat : 62 × 88 cm.
Passend, alt gerahmt (wohl Künstlerrahmen).

Eine Variante zu uns vorliegendem Gemälde findet sich im Katalog zur Ausstellung im Ulmer Museum, 1982, S. 116 : ‘Bäuerinnen bei der Ernte’, 1940 in Zaton-mali (bei Dubrovnik / Kroatien).
Vgl. WZ Ö 12 / 40.

Inwieweit eine Verbindung H. Gassebners zu Anton Mahringer, Anton Kolig und dem “Nötscher Kreis” bestand, wird in jüngster Zeit nachgegangen, siehe “TRACKS”. Auf den Spuren H. Gassebners”. Ein Projekt im Auftrag von Museum Online, durchgeführt vom Museum des Nötscher Kreises.

Michael Lingohr, in : Allgemeines Kuenstlerlexikon (AKL), L 2006, 42 :
“Gassebner, Hans, dt. Graphiker, Maler, *7.3.1902 Blaubeuren, †19.2.1966 Löwenstein (Sanatorium). G. mußte das 1921 aufgenommene Studium an der KGS Darmstadt aus Geldmangel 1922 abbrechen, arbeitete in der psychiatrischen Heilanstalt Alzey und bildete sich autodidaktisch weiter. Seit 1923 war er deutschlandweit und in Wien auf Ausstellungen vertreten. Alfred Flechtheim veröff. einige expressionistische Zeichnungen Gassebners in “Der Querschnitt”. Bereits im Herbst 1933 emigrierte G. nach Jugoslawien, nachdem er für die erste offizielle Kunst-Ausstellung in Stuttgart im Juni 1933 als “entartet” abgelehnt worden war. Seine Karriere, die sich mit ersten Verkaufserfolgen seit 1930 vielversprechend entwickelte, brach abrupt ab. Versuche, sich auf Ausstellungen in der Schweiz und in Österreich zu etablieren und Werke zu verkaufen, mißlangen. 1946 kehrte G. nach Deutschland zurück, war seit 1948 in Ulm ansässig und lebte, nicht mehr wirklich in Deutschland heimisch, seit 1952 zeitweise in Spanien, Südfrankreich und Kärnten. G. gehörte zu den Gründungs-Mitglied der “Freien Gruppe Stuttgart” und unterhielt enge Kontakte besonders zu Alfred Wais und Wilhelm Geyer. Durch ärztliche Fehlbehandlung trat 1955 eine Lähmung der rechten Hand ein, G. stellte sich bei der Arbeit auf die linke Hand um. G.s Frühwerk besteht aus Zeichnungen und einigen Holzschnitten, seit 1923 auch Ölmalerei, die er ab 1929 ausstellte. Im Exil entstanden aufgrund der Materialknappheit v.a. Aquarelle und einige Holzschnitte. (Mappe Bäuerinnen der Hercegovina, 1937/38). Nach dem Krieg erarbeitete sich G. weitere druckgraphischeTechniken: Lithographie (Mappe Ragusa, 1947); Zinkätzung (1948-50) unter Anleitung von Max Hunziker; Monotypie (seit 1953) und Siebdruck (seit 1961). Auf erste expressionistische Werke, darunter eine Serie von Pinsel-Zeichnungen (Irre Menschen), folgten neusachliche Arbeiten, bis G. schließlich zu einem eigenen Stil fand, der bisweilen von Cézannes Strukturen und v.a. von Van Goghs vehementem Pinselduktus angeregt war. Stark von visuellen Eindrücken geprägt, zeichnete und malte G. Landschaften, Milieustudien und in Dalmatien verstärkt Menschen bei der Arbeit, selten Portraits, Tiere und Stilleben. Seit 1952 widmete er sich fast ausschließlich Dorf- und Stadtansichten sowie Lsch., die bisweilen durch Reduktion auf Umrißlinien, amorphe Binnenstrukturen und unnatürliche Farbgebung große Ausdruckskraft gewannen. Die düstere Palette hellte sich im Spätwerk zu stärkerer Strahlkraft und Farbigkeit auf. Werke befinden sich v.a. in südwest-deutschen Museen und Sammlungen. – WERKE ULM, Stadt-Bibliothek: Schenkung von fast 500 Zeichnungen sowie Druckgraphik aus dem Nachlaß. – SELBSTZEUGNISSE Ulm, StA: schriftl. Nachlaß, u.a. Briefe von 1935-66 (1995 publ.). – AUSSTELLUNGEN E: Ulm, Mus.: 1995 H.G. WV Zeichnungen und Druckgraphik; 2002 H.G. Heimat und Fremde / 2003 Saulgau, StG: H.G.: Herbe Zärtlichkeit zur Welt. – G: 1988 Böblingen, StG: Freie Gruppe Stuttgart; Grafenau, Galerie Schlichtenmaier / 1993 Ulm, Museum: Kunst und Kultur in Ulm …”

Weitere Literatur : Rainer Zimmermann: Die Kunst der verschollenen Generation. Deutsche Malerei des Expressiven Realismus. – Jasbar, Gerald / Reinhardt, Brigitte : Hans Gassebner. Heimat und Fremde. – Katalog zur Ausstellung im Ulmer Museum – 23. Februar bis 7. April 2002. – Wolfgang Schürle (Hg.): Hans Gassebner. Werksverzeichnis. Zeichnungen und Druckgraphik mit einer Bilddokumentation ausgewählt v. Elmar Schmitt. – Ulm, Sueddeutsche Verlagsgesellschaft, 1995.

3.5